Prinzipien der modernen FTTH-Trassenplanung: Wirtschaftlich, präzise, umweltgerecht und digital
Technischer Fachbeitrag | FTTH-Netzplanung | Trassierung | GIS & Vermessung
Stand: August 2026

Kurzfassung
Eine leistungsfähige FTTH-Infrastruktur beginnt nicht mit dem Einblasen der Glasfaser, sondern mit einer belastbaren Trassenplanung.
Die Planung muss gleichzeitig technisch realisierbar, wirtschaftlich, genehmigungsfähig, umweltverträglich und digital dokumentierbar sein. Entscheidend ist dabei die Qualität der zugrunde liegenden Bestandsdaten und deren konsequente Überführung in ein konsistentes Planungs- und Dokumentationsmodell.
Eine belastbare FTTH-Trassenplanung verbindet deshalb Vor-Ort-Erkundung, Vermessung, Leitungs- und Bestandsdaten, GIS-basierte Netzplanung, CAD-Konstruktion, Genehmigungsplanung und Ausführungsanforderungen zu einem durchgängigen Prozess.
Der zentrale Planungsgrundsatz lautet:
Erst die reale Situation verstehen, dann die Trasse digital optimieren.
1. Was eine moderne FTTH-Trassenplanung leisten muss
Eine technisch belastbare FTTH-Trassenplanung muss mehrere Anforderungen gleichzeitig erfüllen.
Eine ausschließlich auf die kürzeste Trasse optimierte Planung ist nicht automatisch die wirtschaftlichste Lösung. Ebenso ist die geometrisch einfachste Variante nicht zwingend die baulich oder genehmigungsrechtlich günstigste.
In der Praxis müssen mindestens sechs Dimensionen gemeinsam betrachtet werden:
1. Wirtschaftlichkeit
Die Trasse sollte so geplant werden, dass Investitions- und Betriebskosten über den gesamten Lebenszyklus des Netzes berücksichtigt werden.
Wesentliche Einflussgrößen sind:
- Tiefbauleistung und Trassenlänge,
- Oberflächen und Wiederherstellungsaufwand,
- Querungen und Sonderbauwerke,
- Schächte und Netzverteiler,
- Kabel- und Rohrkapazitäten,
- Nutzung vorhandener Infrastruktur,
- Anzahl und Lage der Hausanschlüsse,
- Bauabschnittsbildung,
- spätere Erweiterbarkeit.
Dabei gilt:
Die kürzeste Trasse ist nicht zwangsläufig die wirtschaftlichste Trasse.
Eine geringfügig längere Führung kann beispielsweise wirtschaftlicher sein, wenn dadurch aufwendige Querungen, hochwertige Oberflächen oder komplexe Genehmigungsverfahren vermieden werden.
2. Technische Effizienz und Netzdimensionierung
Die Trassenplanung muss mit der Netzarchitektur und der vorgesehenen Kapazität übereinstimmen.
Zu betrachten sind unter anderem:
- PoP-Standorte,
- Netzverteiler und Übergabepunkte,
- Kabelkapazitäten,
- Mikrorohrkonzept,
- Hausanschlussdichte,
- Faserreserven,
- Spleißkonzept,
- Netzstruktur,
- Bauabschnitte,
- zukünftige Erweiterungsoptionen.
Bei der Optimierung der Netzstruktur ist nicht allein die Entfernung zwischen zwei Netzknoten entscheidend. Ebenso relevant sind Faser- und Komponentenreserven, optisches Budget, Topologie, passive Komponenten, Baukosten und betriebliche Anforderungen.
Eine gute Planung optimiert daher nicht nur Kilometer, sondern das Gesamtsystem aus Netzstruktur, Tiefbau, Material und Betrieb.
3. Bauliche Realisierbarkeit: Die Trasse muss auf der Baustelle funktionieren
Eine Trasse kann auf dem Plan technisch korrekt erscheinen und dennoch auf der Baustelle erhebliche Probleme verursachen.
Grund dafür können beispielsweise sein:
- nicht dokumentierte Leitungen,
- unbekannte Einbauten,
- enge Straßenräume,
- vorhandene Baumstandorte,
- schwierige Oberflächen,
- private Grundstücksflächen,
- Gewässer,
- Bahn- und Verkehrsanlagen,
- Brücken und Durchlässe,
- vorhandene Kanal- und Versorgungstrassen,
- begrenzte Arbeitsräume.
Deshalb muss die Planung die tatsächlichen örtlichen Randbedingungen berücksichtigen.
Relevante Bestandsinformationen
Je nach Projektumfang können unter anderem folgende Daten erforderlich sein:
- Kataster- und Flurstücksdaten,
- Gebäude- und Adressdaten,
- Straßen- und Wegeflächen,
- vorhandene Leitungsinformationen,
- Leitungsauskünfte,
- Vermessungsdaten,
- topografische Daten,
- Oberflächeninformationen,
- Bauwerke,
- Gewässer,
- Vegetations- und Baumstandorte,
- Schutzgebiete,
- Eigentums- und Nutzungsinformationen.
Die Qualität der Planung kann nur so gut sein wie die Qualität und Aktualität ihrer Eingangsdaten.
4. GIS und CAD: Zwei Werkzeuge, eine konsistente Planung
Moderne FTTH-Projekte benötigen sowohl geografische Datenverarbeitung als auch technische Konstruktion.
GIS und CAD erfüllen dabei unterschiedliche, sich ergänzende Funktionen.
GIS
GIS eignet sich insbesondere für:
- Netz- und Adressdaten,
- Flurstücke,
- Gebäude,
- räumliche Analysen,
- Leitungskataster,
- Trassenvarianten,
- Clusterbildung,
- Mengen- und Längenanalysen,
- räumliche Qualitätssicherung,
- Bestands- und Betreiberdaten.
CAD
CAD wird insbesondere für die technische Konstruktion eingesetzt:
- Lagepläne,
- Detailpläne,
- Querungen,
- Hausanschlussdetails,
- Sonderbauwerke,
- technische Konstruktionen,
- Genehmigungs- und Ausführungspläne.
Entscheidend ist die Datenkonsistenz
Die eigentliche Herausforderung besteht nicht darin, GIS und CAD einzeln einzusetzen.
Entscheidend ist vielmehr, dass zwischen beiden Systemen keine widersprüchlichen Datenstände entstehen.
Ein durchgängiger Workflow kann beispielsweise so aussehen:
Bestandsdaten → GIS-Modell → Trassenvarianten → technische Prüfung → CAD-Detailplanung → Genehmigung → Ausführung → As-Built → Ziel-GIS
5. Vermessung und Vor-Ort-Erkundung: Die Realität als Planungsgrundlage
Eine moderne FTTH-Planung sollte sich nicht ausschließlich auf Luftbilder, Open-Data-Dienste oder vorhandene Planunterlagen stützen.
Diese Daten sind wertvoll, bilden die tatsächliche Situation vor Ort jedoch nicht immer vollständig ab.
Eine technische Vor-Ort-Erkundung kann deshalb insbesondere in kritischen Bereichen erforderlich sein.
Bei der Begehung können beispielsweise geprüft werden:
- tatsächlicher Straßen- und Wegeverlauf,
- Bordsteine und Oberflächen,
- vorhandene Schächte,
- Einbauten,
- Gebäudezugänge,
- mögliche Hausanschlusspunkte,
- Leitungsverdichtungen,
- Querungsbereiche,
- Grundstücksgrenzen,
- Zufahrten,
- Baumstandorte,
- Engstellen,
- vorhandene Telekommunikationsinfrastruktur.
Die Vor-Ort-Aufnahme sollte dabei nicht als isolierter Arbeitsschritt verstanden werden.
Ihr eigentlicher Wert entsteht erst durch die strukturierte Überführung der erhobenen Informationen in das digitale Planungsmodell.
6. Geodatenqualität: Präzision beginnt beim Raumbezug
Für eine konsistente FTTH-Planung müssen sämtliche relevanten Geodaten in einem eindeutig definierten Raumbezug verarbeitet werden.
In Deutschland können hierfür je nach Bundesland und Datenquelle beispielsweise amtliche Daten im Bezugssystem ETRS89/UTM verwendet werden.
Dabei ist jedoch zwischen Koordinatensystem und tatsächlicher Lagegenauigkeit zu unterscheiden.
Ein korrekt definiertes Koordinatensystem bedeutet nicht automatisch, dass jedes Eingangsdataset zentimetergenau ist.
Deshalb sollten insbesondere folgende Punkte geprüft werden:
- Raumbezug,
- Datenquelle,
- Erfassungszeitpunkt,
- Lagegenauigkeit,
- Aktualität,
- Transformationen,
- Datenformat,
- Attributqualität,
- Dubletten,
- fehlende oder widersprüchliche Objekte.
Grundsatz
Georeferenzierung schafft die gemeinsame räumliche Grundlage – sie ersetzt jedoch keine Vermessung.
7. Trassenoptimierung: Nicht die kürzeste, sondern die beste Trasse
Die Auswahl einer Trasse sollte als multikriterielle Planungsaufgabe verstanden werden.
Eine mögliche Bewertungsmatrix berücksichtigt beispielsweise:
| Kriterium | Planungsziel |
|---|---|
| Trassenlänge | Minimierung |
| Tiefbauaufwand | Minimierung |
| Oberflächenqualität | Wiederherstellungsaufwand berücksichtigen |
| Querungen | Anzahl und Komplexität minimieren |
| Leitungsdichte | Konfliktrisiko reduzieren |
| Grundstücke | private Eingriffe minimieren |
| Genehmigungen | Verfahren und Restriktionen berücksichtigen |
| Umwelt | Eingriffe vermeiden bzw. minimieren |
| Netzstruktur | technische Anforderungen erfüllen |
| Erweiterbarkeit | Reserven und zukünftige Nutzung berücksichtigen |
| Betrieb | Zugänglichkeit und Wartbarkeit berücksichtigen |
Damit wird aus der Trassenplanung keine reine Linienoptimierung, sondern eine ingenieurtechnische Abwägung mehrerer Zielgrößen.
8. Oberflächen und Tiefbauverfahren
Die Wahl der Trasse ist unmittelbar mit dem vorgesehenen Bauverfahren verbunden.
Zu berücksichtigen sind unter anderem:
- Asphaltflächen,
- Pflasterflächen,
- Gehwege,
- Grünflächen,
- unbefestigte Flächen,
- Fahrbahnen,
- Sonderflächen,
- private Flächen.
Darüber hinaus können unterschiedliche Verlegeverfahren zum Einsatz kommen.
Je nach örtlichen Bedingungen können beispielsweise relevant sein:
- offene Bauweise,
- grabenarme Verfahren,
- Bodenverdrängung,
- gesteuerte Horizontalbohrung,
- weitere grabenlose Verfahren.
HDD ist keine pauschale Standardlösung
Die gesteuerte Horizontalbohrtechnik kann insbesondere bei geeigneten Querungen und schwierigen Randbedingungen Vorteile bieten.
Ihre technische Eignung hängt jedoch unter anderem von folgenden Faktoren ab:
- Baugrund,
- vorhandene Leitungen,
- Bohrlänge,
- Tiefenlage,
- Ein- und Austrittspunkte,
- erforderliche Rohrgeometrie,
- Grundwasser,
- vorhandene Hindernisse.
Deshalb muss das Bauverfahren bereits in der Trassenplanung mitgedacht werden.
Trasse und Bauverfahren sind zwei Seiten derselben Planung.
9. Umwelt- und Baumschutz als Bestandteil der Trassenplanung
FTTH-Ausbau findet häufig in bereits stark genutzten urbanen Räumen statt.
Damit treffen Infrastrukturplanung und Vegetationsschutz unmittelbar aufeinander.
Bei Bauarbeiten im Bereich bestehender Vegetation sind insbesondere die geltenden kommunalen, landesrechtlichen und technischen Anforderungen zu berücksichtigen.
Die DIN 18920 behandelt den Schutz von Bäumen, Pflanzenbeständen und Vegetationsflächen bei Baumaßnahmen; die aktuelle Ausgabe wurde im Juni 2026 veröffentlicht.
Relevante Planungsaspekte können unter anderem sein:
- Standort vorhandener Bäume,
- Kronen- und Wurzelbereiche,
- geplante Grabentrassen,
- Querungen,
- Baustelleneinrichtung,
- Lagerflächen,
- Bodenverdichtung,
- Schutzmaßnahmen,
- Wiederherstellung der Vegetationsflächen.
Zusätzlich können – abhängig vom Standort – weitere naturschutz-, baumschutz- oder artenschutzrechtliche Anforderungen bestehen.
Planungsgrundsatz
Umweltschutz sollte nicht als nachgelagerte Genehmigungsprüfung verstanden werden. Er gehört bereits in die Trassenvariantenprüfung.
Eine frühzeitige Berücksichtigung kann Konflikte vermeiden und spätere Umplanungen reduzieren.
10. Genehmigungsfähigkeit und Wegebeziehungen
Eine technisch sinnvolle Trasse ist nicht automatisch genehmigungsfähig.
Deshalb sollte bereits während der Planung geprüft werden:
- Straßenbaulast,
- Eigentumsverhältnisse,
- Sondernutzungen,
- Gestattungen,
- Querungen,
- Gewässer,
- Bahnflächen,
- Schutzbereiche,
- private Grundstücke,
- Verkehrsführung,
- erforderliche Sicherungsmaßnahmen.
Für die Nutzung öffentlicher Verkehrswege enthält das Telekommunikationsgesetz insbesondere in § 125 TKG Regelungen zur Berechtigung zur Nutzung öffentlicher Wege und deren Übertragung. Diese Vorschriften ersetzen jedoch nicht die projektbezogene Abstimmung und die jeweils erforderlichen Genehmigungs- und Zustimmungsverfahren.
Für die verkehrsrechtliche Sicherung von Arbeitsstellen sind unter anderem die RSA 21 – Richtlinien für die verkehrsrechtliche Sicherung von Arbeitsstellen an Straßen relevant. Die RSA 21 ersetzt die frühere RSA-95.
Wichtig
Nicht jede FTTH-Trasse benötigt dasselbe Genehmigungsset.
Der erforderliche Umfang ist abhängig von:
- Lage,
- Straßenkategorie,
- Baulastträger,
- Eigentumsverhältnissen,
- Bauverfahren,
- Querungsart,
- Schutzgebieten,
- Projektvorgaben.
Deshalb sollte das Genehmigungsmanagement objekt- und abschnittsbezogen aufgebaut werden.
11. Leitungsauskunft und Konfliktmanagement
Eine der wichtigsten Aufgaben vor Beginn der Tiefbauarbeiten ist die Klärung vorhandener Leitungs- und Versorgungssysteme.
Dabei sollte zwischen folgenden Informationsquellen unterschieden werden:
- vorhandene Bestandspläne,
- Leitungsauskünfte der Netzbetreiber,
- kommunale Daten,
- Vermessungsdaten,
- Vor-Ort-Erkenntnisse,
- gegebenenfalls Suchschachtungen.
Keine einzelne Datenquelle garantiert automatisch eine vollständige Darstellung aller vorhandenen Leitungen.
Die Planung sollte deshalb Unsicherheiten ausdrücklich erkennen und dokumentieren.
Besonders kritische Bereiche
- Kreuzungen bestehender Leitungen,
- Leitungsverdichtungen,
- Hausanschlussbereiche,
- Schachtbereiche,
- Straßenquerungen,
- Bereiche mit unvollständiger Bestandsdokumentation.
Eine gute Planung reduziert damit nicht nur Tiefbaukosten, sondern auch das Risiko von Leitungsschäden und ungeplanten Bauunterbrechungen.
12. Digital Engineering: Vom Feld bis zum Ziel-GIS
Die Digitalisierung der FTTH-Planung sollte nicht bei der Erstellung einer digitalen Karte enden.
Ziel ist vielmehr eine durchgängige Datenkette:
1. Erfassung
Vor-Ort-Aufnahme, Vermessung und Bestandsdaten.
↓
2. Datenaufbereitung
Qualitätsprüfung, Georeferenzierung und Harmonisierung.
↓
3. Netzplanung
GIS-basierte Trassen- und Netzstrukturplanung.
↓
4. Technische Konstruktion
CAD-basierte Detail- und Genehmigungsplanung.
↓
5. Ausführung
Umsetzung auf der Baustelle.
↓
6. Qualitätskontrolle
Plan-Ist-Abgleich, Messungen und Fotodokumentation.
↓
7. As-Built
Dokumentation der tatsächlich ausgeführten Infrastruktur.
↓
8. Ziel-GIS
Übergabe der geprüften Bestandsdaten an das Betreiber- bzw. Zielsystem.
Der wesentliche Vorteil liegt darin, dass Daten nicht mehrfach und unabhängig voneinander erzeugt werden müssen.
13. LLD: Die Schnittstelle zwischen Netzkonzept und Bauausführung
Das Low Level Design (LLD) übersetzt die übergeordnete Netzarchitektur in eine detaillierte, örtlich nachvollziehbare Planung.
Je nach Betreiber- und Projektanforderungen können dazu unter anderem gehören:
- Trassenverläufe,
- Kabel- und Mikrorohrkonzept,
- Netzverteiler,
- Abzweigpunkte,
- Hausanschlusspunkte,
- Querungen,
- Bauabschnitte,
- Oberflächen,
- Sonderbauwerke,
- Spleißkonzept,
- Faserbelegung,
- technische Details,
- Mengen,
- Genehmigungsinformationen.
Das LLD sollte so detailliert sein, dass die geplante Infrastruktur örtlich eindeutig nachvollziehbar und technisch prüfbar ist.
Gleichzeitig muss die Planung ausreichend flexibel bleiben, um dokumentierte Erkenntnisse aus der Ausführung kontrolliert in die Bestandsplanung zu übernehmen.
14. Qualitätssicherung: Planen, prüfen, dokumentieren
Eine hochwertige FTTH-Planung endet nicht mit der Planabgabe.
Die Qualitätssicherung sollte den gesamten Projektzyklus begleiten.
Vor der Ausführung
- Prüfung der Eingangsdaten
- Prüfung der Leitungsauskünfte
- Plausibilitätsprüfung der Trasse
- Prüfung der Bauverfahren
- Prüfung von Querungen
- Prüfung von Genehmigungsauflagen
- Prüfung der Hausanschlussplanung
Während der Ausführung
- Plan-Ist-Abgleich
- Kontrolle relevanter Ausführungsparameter
- Fotodokumentation
- Kontrolle definierter Qualitätsmerkmale
- Erfassung von Abweichungen
Nach der Ausführung
- Bestandsaufnahme
- Messdatenprüfung
- Faser- und Portabgleich
- Dokumentationsprüfung
- As-Built-Erstellung
- Übergabe an das Ziel-GIS
15. As-Built-Dokumentation: Der letzte Schritt der Planungskette
Eine Infrastruktur ist aus Sicht des Netzbetriebs erst dann vollständig dokumentiert, wenn der digitale Bestand die tatsächlich ausgeführte Situation belastbar abbildet.
Je nach Projekt können beispielsweise folgende Informationen Bestandteil der As-Built-Dokumentation sein:
- tatsächlicher Trassenverlauf,
- Tiefbauabschnitte,
- Kabel und Mikrorohre,
- Netzverteiler,
- Schächte,
- Hausanschlüsse,
- Faserbelegung,
- Spleißdaten,
- Fotodokumentation,
- Prüf- und Messprotokolle,
- OTDR-Daten,
- Abweichungen von der Planung.
Der entscheidende Qualitätsmaßstab
Plan ≠ Bestand
wenn Änderungen aus der Bauphase nicht systematisch übernommen werden.
Deshalb sollte die As-Built-Dokumentation nicht als reine Abschlussaufgabe behandelt werden, sondern als kontinuierlicher Prozess der Bestandsfortschreibung.
16. Mengen und Kosten: Planung muss wirtschaftlich überprüfbar sein
Eine belastbare Trassenplanung sollte auch eine nachvollziehbare Grundlage für Mengen und Kosten schaffen.
Abhängig vom Projekt können beispielsweise ermittelt werden:
- Trassenmeter,
- Oberflächenarten,
- Rohr- und Mikrorohrmengen,
- Kabelmengen,
- Schächte,
- Hausanschlüsse,
- Querungen,
- Sonderbauwerke,
- Wiederherstellungsflächen.
Damit können Planungsvarianten nicht nur geometrisch, sondern auch wirtschaftlich miteinander verglichen werden.
Grundsatz
Eine gute Trassenplanung zeigt nicht nur, wo gebaut werden soll, sondern auch, welche baulichen und wirtschaftlichen Konsequenzen die gewählte Lösung hat.
17. Typische Planungsfehler
In der Praxis treten insbesondere folgende Schwachstellen auf:
1. Planung ausschließlich aus Luftbildern
Die reale Situation vor Ort wird nicht ausreichend berücksichtigt.
2. Fehlende Leitungsauskunft
Bestehende Infrastruktur wird nicht oder zu spät in die Planung integriert.
3. Trasse wird ausschließlich nach Länge optimiert
Baukosten, Oberflächen, Querungen und Genehmigungsrisiken bleiben unberücksichtigt.
4. Bauverfahren wird erst nach der Trassenplanung betrachtet
Die geplante Geometrie ist mit dem vorgesehenen Bauverfahren nicht optimal realisierbar.
5. Private Flächen werden zu spät erkannt
Grundstücks- und Eigentumsfragen führen zu Umplanungen.
6. Umwelt- und Baumschutz wird nachgelagert behandelt
Konflikte werden erst während des Genehmigungs- oder Bauprozesses erkannt.
7. GIS und CAD enthalten unterschiedliche Planungsstände
Dadurch entstehen widersprüchliche Informationen.
8. Änderungen der Bauausführung werden nicht systematisch dokumentiert
Das spätere Bestands-GIS entspricht nicht der tatsächlich gebauten Infrastruktur.
18. Der moderne Planungsansatz: Real Data + Digital Engineering
Die moderne FTTH-Trassenplanung sollte weder ausschließlich analog noch ausschließlich digital erfolgen.
Sie benötigt die Verbindung beider Welten:
Vor-Ort-Erkundung
Vermessung
Bestands- und Leitungsauskunft
GIS-Analyse
technische CAD-Konstruktion
Genehmigungsmanagement
Qualitätssicherung
As-Built-Dokumentation
=
belastbare digitale Infrastrukturplanung
Die Digitalisierung ersetzt dabei nicht die ingenieurtechnische Prüfung.
Sie macht sie vielmehr schneller, nachvollziehbarer, skalierbarer und datenbasiert.
19. Fazit
Eine moderne FTTH-Trassenplanung ist weit mehr als das Zeichnen einer möglichst kurzen Linie zwischen Netzverteiler und Hausanschluss.
Sie ist eine integrierte ingenieurtechnische Planungsaufgabe, bei der technische, wirtschaftliche, räumliche, bauliche, rechtliche und ökologische Randbedingungen gleichzeitig berücksichtigt werden müssen.
Die entscheidenden Prinzipien sind:
- Realitätsnähe durch belastbare Bestandsdaten und Vor-Ort-Erkundung,
- technische Präzision durch konsistente GIS- und CAD-Planung,
- Wirtschaftlichkeit durch ganzheitliche Variantenbewertung,
- Bau- und Genehmigungsfähigkeit durch frühzeitige Prüfung der Randbedingungen,
- Umweltverträglichkeit durch frühzeitige Berücksichtigung von Schutzanforderungen,
- Datenkonsistenz über den gesamten Planungs- und Bauprozess,
- Nachvollziehbarkeit durch systematische Qualitätssicherung,
- Betriebssicherheit durch vollständige As-Built-Dokumentation.
Eine erfolgreiche FTTH-Trassenplanung beginnt nicht am Bildschirm. Sie beginnt mit dem Verständnis der realen Situation vor Ort – und führt von dort über GIS, CAD und technische Planung bis zur tatsächlich gebauten und dokumentierten Infrastruktur.
Technische Referenzen und Regelwerke
Die konkrete Anwendung der Regelwerke ist stets projekt-, standort- und aufgabenbezogen zu prüfen.
Relevante Grundlagen können unter anderem sein:
- DIN 18920:2026-06 – Vegetationstechnik im Landschaftsbau – Schutz von Bäumen, Pflanzenbeständen und Vegetationsflächen bei Baumaßnahmen
- Telekommunikationsgesetz (TKG), insbesondere § 125 – Berechtigung zur Nutzung öffentlicher Wege und ihre Übertragung
- RSA 21 – Richtlinien für die verkehrsrechtliche Sicherung von Arbeitsstellen an Straßen
- einschlägige bauordnungsrechtliche und straßenrechtliche Vorschriften
- Vorgaben der zuständigen Straßenbaulastträger
- kommunale Aufgrabungs- und Sondernutzungsregelungen
- technische Spezifikationen des jeweiligen Netzbetreibers
- einschlägige DIN-, VDE-, FGSV- und weitere technische Regelwerke
- Herstellerangaben der eingesetzten Kabel-, Rohr-, Schacht- und Netzkomponenten
Hinweis: Normen und technische Regelwerke sind keine pauschale Genehmigung oder Ausführungsanweisung. Für jedes konkrete Projekt ist zu prüfen, welche Regelwerke, Genehmigungsbedingungen, Betreiberanforderungen und technischen Spezifikationen tatsächlich anzuwenden sind.
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Die GeoEnv Technology GmbH ist ein unabhängiges Ingenieur- und Planungsbüro mit Sitz in Gelsenkirchen.
Wir unterstützen Netzbetreiber, Stadtwerke, Kommunen, Generalunternehmer und weitere Projektpartner bei der Planung, technischen Begleitung und Dokumentation von Infrastrukturprojekten.
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- technische Vor-Ort-Aufnahme
- Aufmaß und Bestandsdatenerfassung
- GIS-basierte Datenaufbereitung
- Geodatenmanagement
- Plan-Ist-Abgleich
- As-Built-Erfassung
Bauüberwachung und Qualitätssicherung
- technische Bauüberwachung
- Qualitätskontrolle
- Plan-Ist-Prüfung
- Abnahmeunterstützung
- Fotodokumentation
- technische Projektdokumentation
Bestands- und As-Built-Dokumentation
- Trassen- und Kabeldokumentation
- Hausanschlussdaten
- Faser- und Spleißdaten
- Messdaten
- Fotodokumentation
- GIS-konforme Bestandsdaten
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